Donnerstag, 9. Dezember 2010

Buschwaerts

Nachdem ich ueber mehrere Monate bezueglich meiner Blogeintraege sehr faul war bin ich auf einmal sehr motiviert Bilder und Geschichten zu teilen was daran liegt dass ich ein erlebnisreiches Wochenende hinter mir habe.

Medair Suedsudan beabsichtigt seine Hilfsprojekte innerhalb des Landes zu erweitern. Um entscheiden zu koennen wo und in welchem Bereich das Hilfsprojekt durchgefuehrt wird muessen relevante Informationen eingeholt und im besten Fall ein eigenes Bild der Lage vor Ort gewonnen werden. Einem solchen Erkundungstrip durfte ich letzes Wochenende beiwohnen.

Den Toyota Landcruiser haben wir mit reichlich Proviant, Wasser und Camping-Ausruestung bestueckt und sind Richtung Busch aufgebrochen. Wir, das heisst ein Wasser-Ingeneur, eine Aerztin, eine Pojekt Koordinatorin und ein Fahrer. Unser Ziel Awerial County liegt ca. 200 km noerdlich von Juba und aufgrund von erstaunlich guten Strassenverhaeltnissen haben wir bereits nach 5 Stunden unser Ziel erreicht. Im Dorf angekommen sind immer die offiziellen Behoerden unsere erste Anlaufstelle, um uns und unsere Absicht vorzustellen. Bei dem Begriff „Behoerde“ darf man allerdings nicht an ein Rathaus oder Aehnliches denken sondern lediglich an einen Tisch unter einem Baum und einem Mann dahinter.

Wir haben viele Wasserpumpen inspiziert, Kliniken begutachtet und Gespraeche mit Fokus-Gruppen gefuehrt. Obwohl wir als Fremde in den Doerfern aufgeschlagen sind wurden wir extrem freundlich empfangen.

Auf dem Rueckweg haben wir einen kurzen Stopp in einem der bekannten „Rinder Lager“ der Dinka gemacht. Ein Stamm der beruehmt dafuer ist mit den Rindern zusammen zu leben die ihren ganzen Wohlstand darstellen und das Hauptzahlungsmittel beim begleichen von Brautpeisen ist. Die Jungs hatten genauso viel Spass an der Foto-Session wie ich. Ganz stolz haben sie ihre besten Rinder angeschleppt um mit ihnen zu posieren.

Es war ein Privileg in diese exotische Welt einzutauchen.


200 Kilometer afrikanische Strasse lagen vor uns ...


... auf der nicht nur Fahrzeuge unterwegs sind.

Sobald wir in den Doerfern angekommen sind haben wir Beamte, andere Hilfsorganisation oder Dorfbewohner getroffen um sie ueber die Lage vor Ort zu befragen.

Im Land der Dinka bin ich definitiv nicht der Groesste!

Kinder trifft man ueberall an und sie haben jede Menge Spass an digitalen Kameras!

Wir konnten im compound vom Carter-Center unsere Zelte aufschlagen. Camping Urlaub Feeling inlusive.

Am Sonntag haben wir einem Gottesdienst beigewohnt der typischerweise unter einem Baum stattfand.

Pfeifen sind im Busch sehr beliebt.

Das hier sind die jungen Krieger ...

... die wahrscheinlich bald um diese junge Dame kaempfen werden.

Selbst im Rinder-Lager im tiefsten Afrika ist Obama ein Rock-Star!

Im Rinder-Lager ist immer was los.

Voller Stolz haben die Jungs ihre praechtigsten Rinder praesentiert ...

und ihre Trommelkuenste.

Jeder wollte zeigen was er drauf hat.

Offensichtlich ist jeder Stolz darauf hier zu leben.

Trotz des Rauchs von Feuer, Kuhmist und extremer Hitze sind die Dinka gluecklich in ihrer Welt ...

... auch wenn der Blick in die Zukunft ungewiss ist.

Dienstag, 14. September 2010

Oberer Nil

Der Grossteil der eigentlichen Arbeit von Medair findet im Bundesstaat Upper Nile statt. Damit ich besser verstehe was dort geschieht, wie die Gegebenheiten und Herausforderungen vor Ort ausschauen, habe ich eine erfahrungsreiche Woche dort verbracht.

Die neuen Erfahrungen fingen bereits am Flughafen an. Nachdem der MAF Pilot den Flieger gestartet hatte machte ich ihn darauf aufmerksam, dass sich noch Medair Cargo neben dem Flugzeug befindet. Er machte mich sachlich darauf aufmerksam, dass aufgrund der vorgesehenen Route und der Kerosinmenge ein Teil der geplanten Ladung zurueckbleiben muss.

In Malakal angekommen, wurden wir von einem Kollegen abgeholt, der uns direkt zum Nil fuhr wo wir unsere Reise per Boot fortsetzten. Das Boot fasst bis zu 8 Leute, jede Menge Benzin und hat einen stark Aussenbord-Motor. Die Bootsfahrt nach Melut dauerte 3 Stunden, bei der wir der Sonne ausgesetzt waren die man aber aufgrund des Fahrwinds kaum wahrnimmt. Spaetestens wenn das Boot stoppt, merkt man, wie unertraeglich heiss es in der prallen Sonne ist. Longsleeves & haufenweise Sonnenmilch haben ernsthafte Schaeden verhindert.

Krokodile und Nilpferde bekam ich leider nicht zu sehen, aber jede Menge Voegel und andere Boote die entweder schwer mit Soldaten oder Cargo ueberladen waren. Das ist so typisch fuer Afrika. Ob Auto, Faehre, Lager, Haus: Einer geht noch!

In Zusammenarbeit mit dem hiesigen Gesundheitsministerium und lokalen Behoerden ist Medair im Bereich der gesundheitlichen Grundversorgungen sowie Wasser & Sanitaer aktiv. Es werden Kliniken betreut, Brunnen gebohrt und Latrinen gebaut. An dieser Stelle erzaehle ich weniger und lasse die Bilder sprechen.

Mit einem Zwoelfsitzer sind wir in Juba abgehoben ....

... und ich war ueberrascht wie saftig gruen der Suedsudan ist ...

... nach fast drei Stunden in der Luft sind wir in Malakal angekommen was allerdings noch nicht das Ziel der Reise war.

Ein Kollege hat und per Landcruiser and den Nil gebracht ....

... wo wir ein Boot bestiegen und weitere drei Stunden unterwegs waren.

Ich hatte befuerchtet das es bald anfangen wird zu regnen ...

... aber das Wetter hatte gehalten!

Und weil unser Mechaniker einen verlaesslichen Job macht gab es keine Panne.

Und schliesslich sind wir sogar in der Medair Base in Melut angekommen.

Dies ist eine von vielen Kliniken die Medair in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gesundheitsministerium betreibt.

Als ich einmal etwas laenger unter einem Baum auf eine Kollegin gewartet habe, haben sich diese Schuljungs zu mir gesellt. Wir hatten eine witzige Fotosession!

Nach einer Woche gings dann wieder zurueck nach Juba. Der Regen und die Schlammpiste haben fast dafuer gesorgt, dass wir den Flieger verpasst haetten ...

... aber schliesslich hatten wir es doch noch rechtzeitig geschafft.











Dienstag, 31. August 2010

Medair Cockpit

Eine klassische Aufgabe um die sich die Logistik kuemmert ist der Transport. Einer meiner vier Kollegen die mir direkt unterstellt sind ist fast ausschliesslich damit beschaeftigt Fluge zu buchen und Flugzeuge zu chartern. Weil sein Urlaub faellig war habe ich ihn vertreten. Die Tage im „Medair-Cockpit“ waren spannend und turbulent!

Die Kollegen auf der Projekt-Seite (Notfallhilfe, Gesundheitsversorgung & Wasser/Sanitaer) senden regelmaessig ihre transportbezogenen Buchanfragen zum Flug-Koordinator. Um den Bedarf decken zu koennen greifen wir auf das Angebot von kommerziellen Airlines, die humanitaere Airline der UN und Mission Aviation Fellowship (MAF) zurueck. MAF ist eine christliche none profit Airline deren Flugzeuge wir regelmaessig fuer Fluege in den tiefen Busch des Suedsudan chartern.

Der internationale Flugverkehr der kommerziellen Airlines ist sehr zuverlaessig aber die Inlandsfluege mit der UN oder MAF fordern Flexibilitaet und Nerven. Um Dir einen Einblick zu geben beschreibe ich mal einen Arbeitsalltag auf dem Stuhl des Flug-Koordinators.

Es ist Freitag 12 Uhr und ich habe gerade das Flugmanifest fuer den gecharterten Flug fuer Dienstag naechste Woche fertiggestellt und an die Kollegen und MAF geschickt. Das Flugmanifest enthaelt die Passagiere, die Route, das Gewicht und die Zeiten fuer den vorgesehenen Flug. Die Nachfrage in dieser Woche ist sehr hoch, da in der vergangenen Woche eine interne Gesundheitskonferenz in Juba stattfand und die angereisten Kollegen alle wieder zurueck an ihren Einsatzort in den Busch (Malakal, Melut, Wadekona) geflogen werden muessen. Eigentlich ist Platz fuer 11 Passagiere, da wir aber nicht wissen ob wir die Maschine im Busch auftanken koennen wird, ist die Kapazitaet eingeschraenkt. Also werden nur 7 Passagiere im Manifest gelistet. Weitere 7 werden mit der UN-Airline gebucht.

Es ist Montag 7 Uhr und ich werfe einen Blick auf das Flugmanifest der UN. Voller Ueberraschung stelle ich fest, das von den 7 Passagieren nur 5 gelistet sind. Also rufe ich den Verantwortlichen im UN Buchungsbuero an um ihn auf diesen Feher hinzuweisen. Allerdings wies er mich darauf hin das der Flug ueberbucht ist und das er nur 5 Sitze fuer Medair garantieren kann. Ich gebe die entaeuschende Nachricht an zwei Kollegen weiter, dass sie morgen leider nicht abreisen koennen werden.

Es ist Dienstag morgen. Die MAF Maschine hat fast planmaessig abgehoben. Um 10 Uhr ruft mich eine Kollegin an und teilt mir mit das sich das boarding der UN-Maschine verzoegert und das sie immer noch im Warteraum sitzen.

Um 11 Uhr erreicht mich eine Anfrage von Samaritan’s Purse (eine amerikanische christliche NGO) ob wir ihnen bei der dringenden Evakuierung des erkrankten Mitarbeiters helfen und unseren MAF-Flieger - der gerade in der Region in der Luft ist -dementsprechend umleiten koennen. Nach einer kurzen Ruecksprache mit MAF entschieden wir uns dafuer zu helfen. MAF kontaktiert den Pilot und informiert ihn per Funk ueber den aktuellsten Plan.

Um 12 Uhr erreicht mich die Nachricht, dass der UN-Flug ausgefallen ist und das die Kollegen auf dem Weg zurueck ins Buero sind. In solchen Momenten wird es sehr hektisch. Jetzt gilt es abzuwaegen wie schnell und zu welchen Kosten ich die Kollegen zu ihren Einsatzstellen befoerdern kann. Auf den naechsten UN-Flieger zwei Tage spaeter wollten wir uns nicht verlassen, weil dieser hoechstwahrscheinlich wieder ueberbucht sein wuerde. Also habe ich MAF angefragt, wie schnell wir einen weiteren Flieger chartern koennen. Evtl. am Donnerstag war die Antwort, allerdings muessten noch Details dafuer geklaert werden. Abwarten!

Um 13 Uhr ruft mich jemand von einer anderen NGO an. Vier seiner Kollegen die gerade im Busch sind, sind ebenfalls von dem ausgefallenen UN-Flieger betroffen und muessten dringend nach Juba um am naechsten Tag an einer Konferenz teilnehmen zu koennen. Er wollte wissen, ob Platz ist in unserem Flieger und ob wir die Kollegen mitnehmen koennten? Nach Absprache mit MAF konnte ich ihm drei Plaetze zusagen.

Um ca. 16 Uhr die Zusage von MAF, dass bereits morgen ein Flieger zur Verfuegung stuende. Allerdings besteht das Problem, dass wir einen fuer uns wichtigen Flughafen nur einmal in der Woche benutzen duerfen und die Kollegen somit nicht zu ihrer Destination geflogen werden koennen. Nach weiteren Absprachen mit Kollegen im Busch haben wir uns geeinigt, dass die Passagiere nach Ankunft am Flughafen per Boot zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort befoerdert werden koennen. Zeiten, Route und Namen werden definiert und ich kannt ein neues Flugmanifest erstellen und verschicken. Die Kollegen werden ueber die Check-Inn Zeiten informiert.

Es ist Mittwoch, der MAF Flieger hebt schliesslich nach einstuendiger Verspaetung ab. An einem der vorgesehen Orte kann der Flieger nicht landen da die Schotterpiste aufgrund von Regen durchweicht ist. Die entsprechenden Kollegen und deren Gepaeck werden zu einem alternativen Ort geflogen, wo sie vermutlich erst mal fuer mindestens zwei Tage festsitzen werden.

Wer im "Cockpit" des Flugkoordinators sitzt muss sich ganz fest anschnallen. Heftige Turbolenzen sind garantiert!

Sonntag, 15. August 2010

Juba - Suedsudan

Juba und der Suedsudan
Am 30.06.2010 bin ich nach einem zweitaegigen Zwischenstopp in Nairobi an meinem neuen Einsatzort in Juba am Nil (Suedsudan) angekommen. Juba hat einen enorme Entwicklung hinter sich, wobei diese Stadt eigentlich lediglich ein sehr grosses Dorf mit ca. einer halben Million Einwohnern ist in der es keine permanente Stromversorgung gibt und die weit entfernt ist von den Weltmaerkten. Dabei hat Juba moeglicherweise den groessten Entwicklungsschub noch vor sich da im Januar 2011 – entsprechend eines umfangreichen Friedensvertrags von 2005 – die Bevoelkerung des Suedsudan in einem Referendung darueber entscheiden wird, ob sich der Sueden des Sudans vom Norden abspalten und somit ein neuer souveraener Staat geboren wird. „Nirgendwo werden Wunden so tief geschlagen und nirgends heilen sie so schnell wie in Afrika“ schreibt Bartholomaeus Grill in seinem Buch „Ach Afrika!“. Und genau das kann man hier beobachten. Die Jahrzehnte des Buergerkriegs sind fast vergessen und viele Suedsudanesen schauen hoffnungsvoll in die Zukunft. Man trifft auf Geschaeftsleute aus Uganda, Kenya und Aethiopien die von den guenstigen Entwicklungen profitieren wollen. Dabei ist der aktuelle Frieden sehr zerbrechlich. Die momentane Sicherheitslage ist sehr volatil. Hilfsorganisationen und die UN-Agenturen aktualisieren gerade saemtliche Evakuierungsplaene um fuer alle Eventualitaeten vorbereitet zu sein.

Ein Buergerkrieg hinterlaesst viel Zerstoerung und der Wiederaufbau ist ein langer Prozess. Zur Zeit befinden sich ca. 200 internationale Hilfsorganisationen im Sueden die einen Beitrag zum Wiederaufbau leisten und das Stadtbild mitpraegen. Sie sind vor allem in den Bereichen gesundheitliche Grundversorgung sowie Wasser & Sanitaer aktiv. Es gibt auch Organisationen und Agenturen die sich um die Entschaerfung und Beseitigung von Minen kuemmern. Nicht zu vergessen sind die vielen Berater die den einstigen Rebellen bei der hochkomplexen Aufgabe helfen, eine ordentlichen Administration aufzubauen.

Meine Aufgabe
In meiner Funkion als Logistik Manager kuemmere ich mich mit meinem Team um all das – innerhalb von Medair – was die Kollegen fuer ihre Projekte in der Gesundheits- und Wasserversorgung benoetigen. Wir stellen Unterkuenfte zu Verfuegung, organisieren Transporte von Waren und Menschen ueber Land, Wasser (Nil) & Luft und kaufen alles was benoetigt wird, was auch immer es ist und wo auch immer es herkommt. Dabei greifen wir auf Medair Bueros in Nairobi und in der Schweiz zurueck.

Juba vs Darfur (El Geneina)
Es ist mein zweites Jahr und mein zweiter Einsatzort und somit ist es unvermeidlich dass ich alles was mir hier begegnet mit den Gegebenheiten und der Erfahrung in Darfur (Nordsudan) vergleiche. Der arabische und islamische Einfluss ist hier sehr viel geringer. Das faellt einem sofort auf. Unverschleierte Frauen, Maenner mit kurzen Hosen. Keine Gebetsaufrufe vom Imam per Lautsprecher. Wenn sich Angehoerige ungleicher Geschlechter begruessen/verabschieden darf auch umarmt werden. Das Bildungsniveau unserer Mitarbeiter hier ist viel hoeher. In Darfur konnten unsere Fahrer und Waechter nahezu kein Englisch reden. Hier kann ich mir sogar vom Englisch meiner einheimischen Kollegen etwas abschauen. Fahrer und Waechter koennen sogar mit dem Computer umgehen. Die Infrastruktur ist nur geringfuegig besser. Deutlich besser ist das Angebot von professionellen Restaurants und englischsprachigen Gottesdiensten, die in Darfur Fehlanzeige waren.

Begegnungen
Neben ca. 30 internationalen, ca. 30 kenianischen und ueber 100 einheimischen Kollegen trifft man auf hier auf weitere Menschen im Alltagsleben. Hier eine kleine Auswahl und ein paar Geschichten:

In meiner zweiten Woche hatte ich an einer dreitaegigen Sicherheitsschulung bei der UN teilgenommen welche in deren riesiger Kaserne stattfand. Dabei war ich sehr ueberrascht, als mir ein Soldat mit deutscher Flagge auf der Schulter ueber den Weg lief. Ich habe ihn natuerlich gleich zur Rede gestellt und Michael erzaehlte mir daraufhin das er einer der zwei deutschen Soldaten ist, die im Rahmen der der UN Mission (UNMIS) im Sudan eingesetzt sind.

Als leidenschaftlicher Volleyballer habe ich recht schnell rausgefunden, wo und wann hier Volleyball gespielt wird. Nach dem Spiel hatte ich mich mit Milly unterhalten, die durch ihre hervorragende Spielqualitaeten aufgefallen ist. Ihre gute Leistung war darin begruendet dass sie vor paar Jahren in der ugandischen Nationalmannschaft der Frauen gespielt hat. Sie arbeitet fuer die lokale Binnenschifffahrts-Reederei die regelmaessig unsere Hilfsgueter transportiert.

Es ist einer unserer Standardausfluege, am Wochenende einen nahegelegenen Berg zu erklimmen. Das spricht sich schnell herum und somit entsteht recht schnell schon mal eine Wandergruppe von 15 Leutchen. Dabei habe ich Maya kennengelernt, die eigentlich in Deutschland zu Hause ist aber gerade in Harvard Medizin studiert und im Rahmen eines Projekts an der Universitaet in Juba lehrt. Ausserdem ist sie ebenfalls eine hervorragende Volleyball Spielerin.

Fast jeder in der internationalen Community kennt Arnold, ein sehr geselliger Zeitgenosse der schon seit 4 Jahren in Juba arbeitet. Ich habe ihn beim Volleyball kennengelernt. Er arbeitet fuer eine amerikanische Agentur die die suedsudanesische Uebergangsregierung beraet. Arnold hat mich zum Squash eingeladen und dabei habe ich Melanie kennengelernt. Sie ist Schweizerin und arbeitet fuer die internationale Hilfsorganisation „Friedensdividende“ die mit Geldern von Sudanesen die im Ausland leben zinsguenstige Kredite an einheimische Unternehmen vergeben.

Und dann noch eine ganz andere Art von Begegnung. Waehrend meinem Trip 2007 mit der Transsibirischen Eisenbahn bin ich ueber die Internet-Community Couch-Surfing fuer mehrere Tage bei Evgeni untergekommen. Per Zufall habe ich rausgefunden dass er ebenfalls gerade in Juba ist. Er arbeitet fuer eine russische Helikopter-Airline die mit der UN unter Vertrag steht. Es war natuerlich aufregend sich in dieser Ecke des Planeten zu begegnen.

Ab in den Busch

Ich muss selbstkritisch zugeben, dass ich hier keine Begegnung mit Einheimischen aufgelistet habe. Das wird sich hoffentlich mit dem naechsten Bericht aendern, da ich am Dienstag fuer eine Woche in den Busch (Bundesstaat Upper Nile) fliegen werde um unsere eigentliche Arbeit (Gesundheits- & Wasserversorgung) kennenzulernen. Ich freue mich auf einen weiteren tiefen Einblick in Afrika. Und es werden ganz bestimmt schoene Bilder folgen.

Montag, 21. Juni 2010

Letzte Woche in Darfur

Medair hat es so eingerichtet, dass Mitarbeiter die einen Zweijahresvertrag unterzeichnen nach einem Jahr vier Wochen Sonderurlaub erhalten, was ich tatsaechlich sehr schaetze. Es hat sehr gut getan, abzuschalten und im Schlaraffenland Deutschland zu sein, in der altvertrauten Welt, deutsch zu reden, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, Fahrrad zu fahren, zu joggen, uneingeschraenkte Bewegungsfreiheit zu geniessen. Selbst auf dem Weg per Flieger von Deutschland nach Portugal musste ich mich kein einziges Mal ausweisen. Aber vier Wochen sind irgenwann mal um, sodass es am 13.06.2010 wieder zur “Arbeit” in den Sudan ging, und das ist auch gut so!

Es ist sehr angenehm, nach einem Monat Abwesenheit noch mal fuer eine Woche zurueck zu kommen um meine Nachfolgerin anzulernen und “tschuess” zu sagen. Wie bereits im letzten Eintrag erwaehnt, geht es fuer mich Ende des Monats in den Suedsudan, immer noch mit Medair und immer noch als Logistics Manager. Aus der geplanten Woche in Darfur sind allerdings zehn Tage geworden, da meine Nachfolgerin aufgrund von Visa-Problemen verspaetet im Sudan angekommen ist. Aber das ist auch kein Problem schliesslich habe ich dadurch mehr Zeit einen ordentlichen Abgang vorzubereiten.

Bei der Ankunft in Darfur war ich erst mal ueberrascht, wie schnell sich das Expats-Team hier aendern und wie gross es werden kann. Es waren drei neue Kollegen vor Ort und das Expats Team bestand aus 13 Leuten, da gerade aufgrund von Uebergaben manche Stellen doppelt besetzt sind. Und wie gewoehnlich ist es durchaus spannend, neue Kollegen hier kennenzulernen, da jeder ziemlich einmalige Geschichten und ein (geographisch) bewegtes Leben mitbringt. Und zum ersten Mal tatsaechlich noch jemand im Team, der gerne Schach spielt.

Vor meinem Sonderurlaub sowie in den letzten Tagen war ich unter anderem damit beschaeftigt, Mitarbeiterjahresgespraeche mit den vier Logistikern durchzufuehren, die mir unterstellt sind. Dabei war ich sehr ueberrascht und ermutigt ueber deren positives Feedback zur Frage, wie sie denn im allgemeinen die Arbeit bei Medair empfinden. Hier eine Auswahl der Antworten: “Die Arbeitsatmosphaere und das menschliche Miteinander ist perfekt”, “Es wird kein Unterschied gemacht zwischen nationalen und internationalen Mitarbeitern”, “Medair ist eine ganz besondere Hilfsorganisation”, “Ich empfinde meine Mitarbeit bei Medair als etwas grossartiges das mit passiert ist”. Das geht natuerlich runter wie Oel und laesst schnell einige Herausforderungen in Vergessenheit geraten.

Regelmaessig, ca. alle 4 Monate haben wir einen Mitarbeitertag, an dem wir auf Erreichtes zurueckblicken, dass Miteinander und gutes Essen geniessen und die Arbeit einfach mal liegenlassen. Da in diesen Tagen vier Personen das Team verlassen, wurde die Verabschiedung bereits heute durchgefuehrt. Dabei gehts es auch schon mal sehr lustig zu. Zum Abschied habe ich von meinen Jungs eine “Djellaba” geschenkt bekommen, die klassische Bekleidung fuer Maenner.

Nach einem ganz besonderen Jahr und vielen Eindruecken, werde ich – trotz der Umstaende – diesen Ort mit guten Erinnerungen verlassen.


Samstag, 1. Mai 2010

Ein Jahr

... und ein Jahr spaeter bin ich um einige Erfahrungen reicher. Humanitaere Nothilfe und Afrika sind keine Unbekannte mehr fuer mich inkl. der Begleiterscheinigungen Hitze, Stress, Bewegungseinschraenkung, Ueberfall, Magenprobleme, hohe Mauern, Sand, Frust, Fliegen, Miteinander, Kommen & Gehen. Unter dem Strich ist es fuer mich ein Privileg hier in Darfur arbeiten zu koennen trotz vieler Momente in denen ich frustriert war sei es aufgrund von Stress oder weil zwei Kulturen und Arbeitsweisen aufeinandertreffen die eine unterschiedliche Auffassung von Zeit, Zuverlaessigkeit & Qualitaet haben. Das ich gerne ein weiteres Jahr in der humanitaeren Nothilfe arbeiten werde zeugt davon das meine Aufgabe als Logistik Manager mich erfuellt.


Auch wenn die Routine eingekehrt ist gibt es immer noch genug zu lernen, vor allem der richtige Umgang mit Kollegen und speziell mit denen die einem unterstellt sind. Es bringt nichts arrogant daherzukommen und besserwisserisch den weissen Mann raushaengen zu lassen. Schliesslich ist man hier in einer Welt angekommen in der fast alles anders ist und die man erst mal entdecken und Stueck fuer Stueck verstehen lernen muss. Es bedarf viel Kommunikation, Zeit und Ueberzeugungskraft um schliesslich Ablaeufe veraendern zu koennen. Mit Bescheidenheit und viel Gespraech ist man hier besser beraten. Als aufgabenorienter Mensch habe ich in diesem Bereich einiges Lernen koennen und bin immer noch am Lernen.


Das Miteinander im internationalen Team war sehr bereichernd. Das gemeinsame Leben und der Austausch mit den weltaufgeschlossenen Kollegen die von allen Ecken dieses Planeten kommen ist etwas besonderes. Wohlwissend dass wir einen allmaechtigen Gott hinter uns haben stellten und stellen wir uns taeglich den Herausforderungen.


Am 10. Mai fliege ich endlich mal wieder fuer knapp fuenf Wochen nach Hause und freue mich darauf. Die letzte Woche in Deutschland werde ich anlaesslich von Schulungen bei Medair in der Schweiz verbringen. Der Rueckflug ist fuer den 13. Juni geplant, vorausgesetzt dass keine hoehere Gewalt wie Aschewolken dies verhindern. Allerdings werde ich dann nur noch fuer eine Woche in Darfur (Nordsudan) sein. Auf meinen Wunsch hin arbeite ich danach in Juba, der Hauptstadt des Suedsudan. Das Hauptbuero dieses Medair Hilfsprojekts, befindet sich in Nairobi (Kenia) in dem ich vermutlich alle zwei Monate sein werde und das Empfangen von Besuchern moeglich ist!


Dies ist ein Teil unserer Mitarbeiter in West-Darfur
Anfang Maerz haben wir endlich neue Fahrzeuge per Cargo-Flugzeug erhalten. Das ist natuerlich gar nichts im Verhaeltnis zu dem ...
... was die UN fuer Ihre aktuelle Mission in Darfur erhaelt, sowohl am Boden ...
... als auch in der Luft ...
... waehrend sich die Einheimischen mit ganz bescheidenen Mitteln zufrieden geben.









Montag, 22. Februar 2010

Bescheinigungen

In frueheren Eintraegen habe ich bereits davon erzaehlt, dass mein Aufgabenbereich sehr vielfaeltig ist. Wir, der Bereich Logistik, kuemmern uns um Unterkuenfte, Fahrzeuge, Stromaggregate, Transport, Sicherheit und IT. Letzteres umfasst die Administration von 20 PCs, 10 laptops, jede Menge Drucker und die Ausruestung einer Satelliten Internetverbindung. Inklusive der vielen kleinen Hilfestellungen fuer die Anwender und der ueblichen Instandhaltung beansprucht dieser Bereich schnell mal einen halben Tag. Weil das Budget es zugelassen hat, habe ich entschieden, einen IT Logistiker anzustellen der sich den Aufgaben in diesem Bereich annimmt und mir mehr Zeit fuer andere Aufgaben laesst.


Also musste ich mich mit dem Anstellungsprozess vertraut machen. Die Stelle und Stellenbeschreibung musste vom Ministerium fuer humanitaere Hilfe genehmigt werden. Anschliessend wurde per Aushang an unserem Tor die Stelle veroeffentlicht. Es kamen jede Menge Bewerbungen ins Haus mit unuebersichtlichen und schwer verstaendlichen Lebenslaeufen. Die Zeugnisse und Bescheinigungen haben nicht wirklich mehr Licht ins Dunkel gebracht da sie oft sehr unpraezise bezueglich Inhalt, Dauer und Leistung sind. Ich sollte hinzufuegen, dass die Sudanesen Bescheinigungen fuer alles moegliche sammeln und der Bewerbungsmappe anfuegen. Medair hat sogar im Budget ein separates Konto fuer Kosten fuer Bescheinigungen, die wir Teilnehmern von Hygiene- oder Gesundheitsschulungen aushaendigen.


Viele Bewerbungsmappen enthielten sogar die Geburtsurkunde des Bewerbers, was nun wirklich unnoetig ist, da ich den Bewerbern auch ohne Dokument geglaubt haette, dass sie an einem bestimmten Zeitpunkt geboren wurden. Als ich im Kreis der internationalen Kollegen schmunzelnd davon erzaehlt habe, hat mich meine ugandische Kolleging allerdings aufgeklaert ueber die Bedeutung der Geburtsurkunde. Waehrend auf den europaeischen Breitengraden die Ausstellung einer Geburtsurkunde ein automatischer Prozess mit genauen Daten wenige Stunden nach der Geburt ist, verlaeuft es hier anders. Die Geburtsurkunde erhaelt hier keiner automatisch sondern irgendwann mal, falls sie benoetigt wird. Da aber „irgendwann mal“ keiner weiss, wann der Betroffene geboren wurde, wird durch „Vemessung/Untersuchung der Zaehne“ das Alter im nachhinein festgestellt. Mit dem Wissen um all den Aufwand der hinter dieser Urkunde steht, kann ich mittlerweile nachvollziehen das dieses Dokument bei jedem Anlass mit Stolz gezeigt wird.


Trotz der vielen Bescheinigungen konnte ich relevante Bewerber herausfiltern. Dieser Prozess findet in Zusammenarbeit mit dem Ministerium fuer humanitaere Hilfe statt, welches darueber im Bilde sein moechte, wer sich bei uns bewirbt. Im naechsten Schritt wurde ein Englisch- und Computertest durchgefuehrt und schliesslich die Gespraeche. Beim Bewerbungsgespraech muss nicht nur ein Vertreter des Ministerium fuer humanitaere Hilfe sondern auch des lokalen Arbeitsamtes dabei sein. Das hoert sich alles schlimmer an als es schliesslich war. Wir waren uns sogar einig wer von den Bewerbern der geeigneteste ist.


Ein paar Fotos aus dem Arbeitsalltag:

Zwei unserer Koechinnen haben vor kurzem Nachwuchs bekommen. Die Maedels gehoeren zum Kuechenteam dazu und scheinen viel umkomplizierter zu sein als westliche Babys.

Die Kollegen aus dem Pharmazielager nehmen Zahlen und Listen sehr ernst ....

... damit jede Klinik am Ende die richtige Box mit der richtigen Medizin erhaehlt.





Freitag, 15. Januar 2010

Solidaritaet

Regelmaessig sind hier an Abenden Schuesse zu hoeren. An Wochenenden handelt es sich dabei meistens um „feierliche Schuesse“, die bei Hochzeiten abgefeuert werden. Da kommt/kam es schon mal vor, dass man eine Kugel im Gelaende findet. Aufgrund dieser bleihaltigen Luft, haben wir einen sogenannten „Safe-Room“. Dieser ist gar nicht so sicher, wie er sich anhoert, allerdings hat er ein verstaerktes Dach, wodurch moegliche vom himmel fallende kleine Geschosse abgefangen werden koennen. Wenn es uns also zu bleihaltig wird, suchen wir diesen Raum auf. Da ich selbst noch keine Kugeln gefunden und auch nichts von Querschlaegern gehoert habe, konnte ich die Sinnhaftigkeit und das gelegentliche besorgte Aufsuchen dieses Raums nicht ganz nachvollziehen.

Mittlerweile denke ich anders darueber. Eine normale Alltagszene hier in El Geneina. Ein Vater haelt sich am Abend im Haus auf, waehrend seine Kinder auf der Veranda spielen und fernsehen. Ploetzlich kommt das Kind weinend ins Haus gelaufen, waehrend es sich die Hand an die blutige Stirn haelt. Es sieht nicht sehr schlimm aus, und es wird vermutet, dass vielleicht ein Stein geworfen wurde und die Wunde verursacht hat. Als sie am naechsten Tag den Doktor aufsuchen und die Roentgenbilder betrachten, sind sie entsetzt. Es laesst sich ganz klar erkennen, dass sich eine Gewehrkugel im Kopf des Sohnes befindet. Eine aeusserst heikle Angelegenheit. Ein solch spezifischer Fall kann hier in El Geneina nicht behandelt werden. Also wurde moeglichst schnell ein Flug-Ticket gebucht und ein Spezialist in Khartoum aufgesucht. Da es keine Krankenversicherung gibt, kann ein solcher Fall schnell den finanziellen Ruin fuer eine Familie bedeuten. Schon bald war klar, dass dieser Eingriff das zehnfache seines Monatsgehalt kosten wuerde.

Auf dem Roentgenbild laesst ganz klar eine Gewehrkugel erkennen.

Und an dieser Stelle beeindruckt mich, wie stark die Solidaritaet untereinander ist. Die Arbeitskollegen hier haben Besprechungen einberufen, um zu diskutieren, wie sie dem Kollegen helfen koennen. Letztendlich haben sie Geld zusammengelegt, grosszuegig zusammengelegt (einzelne haben bis zu einem Drittel ihres Gehalts beigetragen) und somit die Operation ermoeglicht. Waehrend der OP ist letztendlich entschieden worden, die Kugel nicht zu entfernen sondern abzuwarten.

In einer Gesellschaft, in der die Sozialsysteme weniger gut entwickelt sind, gibt es andere Wege, um Betroffenen bei individuellen Schicksalsschlaegen zu helfen. Es ist erstaunlich, wie stark der Zusammenhalt unter den Kollegen ist. Fast regelmaessig wird im Buero Geld gesammelt, um Kollegen zu helfen.

Eine meiner Lieblingszenen die sich vermutlich taeglich und ueberall auf dem Kontinent Afrika abspielt. Kinder die mit einem ausgedienten Reifen spielen und ihn vor sich herrollend die Strasse hoch und runterrennen. Es geht auch ohne X-Box und Nintendo.